Sein letzter Tag - Eine Wanderperfomance für Max Reger von Heike Hennig

von Melanie Wolf (Kommentare: 0)

Max Regers Markenzeichen war, neben seinem derben Humor, seine Maßlosigkeit in beinahe allen Dingen. Legendär ist seine Bestellung nach einem Konzert: „Bringen Sie mir zwei Stunden lang Wiener Schnitzel!“ Ebenso exzessiv wie er aß, trank, rauchte und arbeitete der Komponist. Seine daraus resultierende Leibesfülle kommentierte er gelassen mit dem Anagramm „Rex Mager“.

Wenn es um seine Werke ging war Reger streitbar und angriffslustig. Kritiker, die seine Kompositionen schmähten, bekamen schon mal passende Antworten im typischen Reger-Jargon. Unvergessen ist seine Violinsonate op. 72 über die Begriffe (e)S-C-H-A-F-E und A-F-F-E, die Reger seinen schärfsten Kritikern widmen wollte.

Vieles ist über Reger geschrieben worden. Sein Wesen, seine Werke, sein Lebensstil – sie polarisierten. Doch eines war Reger ganz sicher nie: langweilig!

Gemeinsam mit dem Publikum schreiten die Darsteller durch einen Tag im Leben des Komponisten, Pianisten, Organisten, Dirigenten und Leipziger Universitätsmusikdirektor Max Reger; ein Tag, von dem er nicht wusste, dass es sein letzter sein würde. Sie erzählen vom Beginn an, wo alles noch ungeschrieben ist: der Gesang noch kindlich ungetrübt, das Schaffen frisch, die Liebe zur Musik ungebändigt. Noch schweigt die Sucht. Später packt sie den Reger und lässt ihn Zeit seines Lebens nicht mehr los. Trotz schwerer alkoholischer und depressiven Phasen: er komponiert, er musiziert, er diskutiert und trinkt und isst und arbeitet unmäßig. Plötzlich ist das Lebensmaß voll – Max Reger legt sich zu Bett und steht nie wieder auf.

In der Regie von Heike Hennig agiert Axel Thielmann in der Rolle des Max Reger. Als sein alter ego verkörpert Ronny Hoffmann seinen musikalischen Himmel und seine alkoholische Hölle. Christiane Bräutigam und Kammerchor für Neue Klänge setzen musikalische Akzente u.a. im Cafe Kowalski, in dem es Reger-Bier für alle gibt.

Die Wanderperformance, die eine Stadtführung durch Henner Kotte einschließt, beginnt am königlichen Konservatorium - heute Hochschule für Musik und Theater und endet am nicht mehr existierenden Hotel Hentschel am Roßplatz 8, in dem Max Reger am Morgen des 11. Mai 1916 verstarb.

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