Internationale Musikwissenschaftliche Konferenz

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Max Reger – ein nationaler oder ein universaler Komponist?
Zum 100. Todestag des Komponisten


Internationale Musikwissenschaftliche Konferenz vom 11. bis 14. Mai 2016
am Institut für Musikwissenschaft der Universität Leipzig

 

Programm: (Der Ablauf innerhalb der einzelnen Abteilungen kann sich noch ändern)

Mittwoch: 11 · Mai · 2016
Grieg-Begegnungsstätte, Talstraße 10
Gesprächskonzert mit Markus Becker, Klavier

15 Uhr

Bach/Reger, Orgelchoralvorspiele:

Komm, heiliger Geist BWV 651, Herzlich tut mich verlangen BWV 727, Ich ruf zu Dir BWV 639

Max Reger, Episoden op. 115: 1 Andante, 3 Allegretto

Max Reger, Variationen und Fuge über ein Thema von Bach op. 81

Donnerstag: 12 · Mai · 2016
Institut für Musikwissenschaft, Raum 302
1. Sektion – Das „Deutsche” im Werk

9 – 12 Uhr

Prof. Dr. Wolfram Steinbeck, Universität zu Köln
Max Reger und die „deutsche” Tradition des Komponierens

Prof. Dr. Thomas Seedorf, Hochschule für Musik Karlsruhe/Max-Reger-Institut Karlsruhe
Max Reger und die deutsche Liedtradition

Prof. Dr. Siegfried Mauser, Universität Mozarteum Salzburg
Max Regers „Träume am Kamin” als deutsche Charakterstücke

Prof. Dr. Hans-Joachim Hinrichsen, Universität Zürich
„... aus Bachischem Geiste geboren”. Wie deutsch ist Regers Bach?

Prof. Dr. Stefan Keym, Universität Hamburg
Bekenntnis- oder Gelegenheitswerk? Max Regers „Vaterländische Ouvertüre” und die Tradition politischer und religiöser Liedzitate in der Instrumentalmusik

14 – 17 Uhr

Prof. Dr. Susanne Popp, Max-Reger-Institut Karlsruhe
Max Regers „Romantische Suite” – ein impressionistisches Nachtstück?

Dr. Stefan König, Max-Reger-Institut Karlsruhe
Musikalische Innerlichkeit? Regers „Hymnus der Liebe”

Dr. Susanne Schaal-Gotthardt, Paul-Hindemith-Institut Frankfurt
Rhein oder Mississippi? „National” und „Universal” bei Hindemith

Prof. Dr. Hartmut Krones, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien
Max Reger und Arnold Schönbergs »Deutsche Musik«


Freitag: 13 · Mai · 2016
Institut für Musikwissenschaft, Raum 302
2. Sektion – Reger, ein internationaler ­Komponist? Rezeptionsperspektiven

9 – 12 Uhr

Prof. Dr. Stefan Keym, Universität Hamburg
Bekenntnis- oder Gelegenheitswerk? Max Regers »Vaterländische Ouvertüre« und die Tradition politischer und religiöser Liedzitate in der Instrumentalmusik

Prof. Dr. Damien Ehrhardt, Université d’Évry Val d’Essonne, Évry
Kulturtransfer zwischen Frankreich und Deutschland zu Regers Zeit

Prof. Dr. Walter Frisch, Columbia University, New York City
Reger’s Historicist Modernism

Prof. Dr. Christopher S. Anderson, Southern Methodist University Dallas (Texas)
Reger unter den amerikanischen Organisten oder Regers Orgelwerke in Amerika 1916 – 2016

Prof. Graham Barber, University of Leeds
Parallels between the organ music of C. Hubert H. Parry and Max Reger

14 – 17 Uhr

Prof. Dr. Albena Kechlibareva, New Bulgarian University
Max Reger. Sakrale Dimensionen und Universalität der Gattung „Lied“

Tully Potter, Hildenborough (Kent)
Fritz und Adolf Busch exportieren Reger

Dr. Jürgen Schaarwächter, Max-Reger-Institut Karlsruhe
„Inmitten des Programms spielen Sie meine Telemannvariationen” – von der Uraufführung bis heute: Internationale Interpretationsdokumente aus hundert Jahren

3. Sektion – Reger als Pädagoge

Prof. Dr. Peter Franklin, University of Oxford
Reger and Film Music

Nikolaos Beer, Universität Paderborn, Projekt DARIAH /Max-Reger-Institut Karlsruhe
Digitale Edition (und Online-Publikation) von Max Regers „Beiträgen zur Modulationslehre” – vollständige Kodierung von Text und Notenbeispielen


Samstag: 14 · Mai · 2016
Institut für Musikwissenschaft, Raum 302
4. Sektion – Reger-Rezeption in Osteuropa

9 – 12 Uhr

Prof. Dr. Marina Raku, Staatliches Institut für Kunst­wissenschaften Moskau
Reger und Russland (Premieren, Presse, Kontakte etc.)

Prof. Dr. Vladimir Gurewitsch, Russische Staatliche Pädagogische Alexander Herzen-Universität Sankt Petersburg
Max Reger in der „Russischen Musikzeitung” (1894 – 1918)

Dr. Jeana Kniazeva, Russisches Institut für Kunstgeschichte Sankt Petersburg
Jacques Handschin als Reger-Schüler

Prof. Dr. Valentina Sandu-Dediu, Musik-Universität Bukarest
Max Regers Einflüsse auf die moderne rumänische Komposition

Dr. Florinela Popa, Musik-Universität Bukarest
Mihail Jora, der prominenteste rumänische Schüler Max Regers

14 – 17 Uhr

Prof. Dr. Luba Kijanowska, Nationale Musikakademie Mykola Lyssenko Lemberg/Lviv
Wie gut ist Max Reger in der Ukraine bekannt?

Dr. Jana Lengova, Slowakische Akademie der Wissenschaften Preßburg/Bratislava
Reger-Rezeption in der Slowakei

Marietta Kaskoto”-Buka, Franz-Liszt-Musikakademie Budapest
Der ungarische Reger-Schüler Dezso” von Antalffy-Zsiross

Biljana Milanovic’ MA., Institute of Musicology of the Serbian Academy of Sciences and Arts Belgrade/Beograd
Voice from musical periphery: Reger‘s Student Milenko Paunovic’

 

Eintritt frei

 

Im Mai 2016 jährt sich der Todestag des Komponisten Max Reger (1873–1916) zum hundertsten Mal. Aus Anlass dieses Jubiläums, das weltweit gefeiert werden wird, veranstaltet die Universität Leipzig in Kooperation mit dem Max-Reger-Institut Karlsruhe, der Zentralstelle der Reger-Forschung, eine internationale wissenschaftliche Tagung mit hochkarätigen Referenten, die das Ziel verfolgt, Aufschlüsse über Regers Position und Bedeutung im Kontext der internationalen Musikgeschichte zu gewinnen.

Bald nach Regers Tod hatte Arnold Schönberg programmatisch gefordert, Reger müsse „viel gebracht werden, [...] weil er schon tot ist und man noch immer nicht Klarheit über ihn besitzt (Ich übrigens halte ihn für ein Genie)” (Brief an Alexander Zemlinsky, 26. Oktober 1922). Der kompositorische Rang von Regers Werk dürfte heute, knapp einhundert Jahre später, kaum umstritten sein – obgleich oder vielmehr gerade weil es sich so vielgestaltig zeigt und auf diese Weise noch immer neue Fragen aufzuwerfen vermag. Kaum ein anderer Komponist hat den epochalen Umbruch der vorletzten Jahrhundertwende und die Multiperspektivität, welche in der gesamten europäischen Kultur damit einhergeht, in seiner Musik so umfassend aufgenommen und ausgelebt wie Reger. Emphatisch ließ er sich auf die Tradition ein und nahm sich zugleich doch geradezu umstürzlerische Freiheiten, die in die Neue Musik weisen. Zu den Eigentümlichkeiten um Reger gehört, dass er zeitlebens Schüler aus vielen Nationen unterwies, aber keine Schule bildete, und dass sich zwischen den Weltkriegen seine Anhänger in Scharen in Reger-Vereinen organisierten, seine Werke aber trotz ihrer Bedeutung heute im Konzertleben unterrepräsentiert sind.

Vor allem aber ist bemerkenswert, dass die Musik Regers oftmals als ausgesprochen „deutsches” Phänomen wahrgenommen wird, dessen breitere Rezeption im Ausland besonderer Vermittlungsanstrengungen bedarf. Reger selbst schrieb hierzu: „Was ich nun unter ‚Deutsch­thum’ [...] verstehe, ist natürlich nicht Chauvinismus – ist ganz u. gar unpolitisch; der Ausdruck Deutschthum ist für mich da eben nur ‚Gattungsbegriff’; wir können ebenso sagen ‚bachisch’; d. h. aus Bachischem Geiste geboren.” (Brief an den Organisten und Komponisten Joseph Renner, 26. November 1900).

Doch wie weit ist das „spezifisch Deutsche” in Regers Werk wirklich musikalisch greifbar? Wie weit stellt es (nur) eine Konstruktion dar, die nicht zuletzt durch die Rezeptionsgeschichte motiviert ist? Ist es die sperrige, oftmals als überladen angesehene Satztechnik (die der deutsche Komponist Wolfgang Rihm als „übermöbliert” bezeichnete) oder der anspruchsvolle Kontrapunkt, ist es der Zug ins Monumentale oder der zuweilen skurrile Humor, der die wesentlicheren lyrischen, sensiblen oder auch dramatisch-expressiven Züge zu überdecken droht? An diese Fragen schließen sich weitere an: Wie deutsch macht Reger seine prononcierte Nachfolge von Bach oder Brahms, die doch ihrerseits als universale Künstler gelten? Ist Regers Musik im Ausland wenig präsent, weil seine Traditionsbezüge über die Landesgrenzen hinaus weiterhin nicht verstanden werden? Welche internationalen Kontakte pflegte er selbst und welche Kenntnisse hatte er von den Werken seiner internationalen Zeitgenossen? Welche Interpreten haben welche Werke im Ausland aufgeführt? Und vor allem auch: In welchen internationalen Traditionen ist seine Musik heute verankert?

Diese Fragen zu diskutieren, aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten und damit immer wieder neu zu kontextualisieren, ist die Zielsetzung dieser international besetzten dreitägigen Tagung. Im Zentrum des ersten Tages stehen Stellung und Merkmale einer „deutschen Tradition” in Regers Komponieren. In Einzelbetrachtungen werden hierbei Regers Liedschaffen, Klavierstücke und Orchesterwerke in den Fokus gerückt. Eine gesonderte Darstellung widmet sich einem Vergleich der nationalen und der internationalen Bach-Rezeption in der Reger-Zeit; einen Ausblick auf das Spannungsverhältnis zwischen Nationalität und Universalität in der deutschen Musik der 1920er und 1930er Jahre eröffnet ein Referat zu Paul Hindemith, der sich dezidiert auch als Nachfolger Regers begriff.

Der zweite und dritte Tag der Tagung sind der internationalen Rezeption und der internationalen Pflege der Musik Regers gewidmet. Dazu gehören Reger-Traditionen, die mit ihr verbundenen Schwierigkeiten und Möglichkeiten unvoreingenommenen Herangehens.

 

 

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